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Chronik des Ländlichen Reit-, Zucht und Fahrverein Göbrichen
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Vom 13. bis 15. 2003 feierte der Ländliche Reit-, Zucht- und Fahrverein Göbrichen sein 50-jähriges Jubiläum, verbunden mit dem 50. Reit- und Springturnier. Ein halbes Jahrhundert Vereinsgeschichte ist einer Betrachtung würdig.
Welche Gefühle und Motive mögen die Herzen und Gedanken der Männer bewogen haben,
die am 16. Januar 1953 sich im Gasthaus zum Adler zur Gründungsversammlung eingefunden haben! Trotz oder gerade wegen des Verlustes seiner Heimat im Sudetenland war ihm die Liebe zum Pferd geblieben. Diese Zuneigung hatte er sich durch nichts nehmen lassen. Seine liebevolle Verbundenheit zu dem treuen Helfer und Gefährte trieb ihn zur Tat. Zum Glück fand er in einigen älteren, besonders aber auch in jüngeren Männern des Dorfes Gesinnungsfreude. Das Pferd hatte bei unseren Bauern seit eh und je eine besondere Stellung eingenommen. Bei den landwirtschaftlichen Arbeiten war es unentbehrlich gewesen. Als besonders notwendig erschien es auf Grund der lang gestreckten Gemarkung. Kein Wunder, dass vor der Technisierung und Motorisierung der bäuerlichen Betriebe über 100 Tiere bei ordentlicher Pflege gehalten wurden. (Heute gibt es in Göbrichen keine Arbeitspferde mehr). Dem Reitergedanken entgegen kam eine schon vor dem 2. Weltkrieg begonnene und nachher fortgesetzte Umstellung im Pferdebestand. Während man früher den schweren Rassen den Vorzug gegeben hatte, entschied man sich nun zu halbschweren, leichteren und gängigeren Pferden. Neben einer begeisterungsfähigen Jugend ließen sich auch einige ältere Pferdehalter von Hellmichs Gedanken erwärmen. Sie hatten ihre aktive Dienstzeit meist als Kavalleristen und Dragoner abgeleistet. Die Erinnerungsbilder an den Wänden ihrer Stuben strahlten neuen Glanz aus und begeisterten zur Mitarbeit. Freilich wurden in dem einen oder anderen Fall auch Bedenken angemeldet. Die Väter einiger Söhne fürchteten um die Feierabend- und Sonntagsruhe ihrer Pferde. Doch ließen Sie sich beschwichtigen und willigten ein. ![]() Die Beiden aktiven Gründungsmitglieder Emil Bastian und Rudi Wentz bei einem der ersten Göbricher Turniere So stand gleich nach der Gründung eine 16 Mann starke Reittruppe, die von ebenso vielen Mitgliedern unterstützt wurde. Am Sonntagmorgen nun versuchten sich die jungen Reiter in der „Ländlichen Klasse“. Da zunächst ein entsprechendes Übungsgelände fehlte, war man gezwungen auf Feld- und Waldwege auszuweichen. Als Reitlehrer hatte sich zunächst der Initiator, Josef Hellmich, der in seiner Heimat viele Jahre lang reitsportliche Erfahrungen gesammelt hatte, bereitwillig zur Verfügung gestellt. Mit Geduld, Geschick und reiterlichem Können führte er seine Schützlinge in die Kunst ein, wobei der eine oder andere erfahren musste, dass auf dem Rücken der Pferde die Welt sich etwas anders ausnimmt als von der sicheren Ebene des Fußgängers aus. Doch ließ man sich nicht entmutigen, übte fleißig und erwarb die Fähigkeit, nicht nur an Fuchs- und Schnitzeljagd und an Geländeritten teilzunehmen, sondern auch auf Turnieren sich der reiterlichen Konkurrenz zu stellen. Dies war nur möglich, weil bereits im Gründungsjahr ein geeigneter Reitplatz beschafft wurde. Entgegenkommenderweise stellte die Gemeinde das Gelände des Alten Sportplatzes am hinteren Büchigeck zur Verfügung. Bereits im Juni 1954 konnte das 1. Reit- und Springturnier durchgeführt werden. Die für die reitsportliche Veranstaltung erforderlichen Hindernisse wurden in mühseliger Eigenarbeit erstellt. Viele Arbeitsstunden mussten von den Vereinsmitgliedern und sonstigen Helfern aufgebracht werden. Vier Jahre lang konnte der alte Sportplatz als Reitplatz und Turniergelände genutzt werden. Für festliche Zwecke war er allerdings nicht optimal geeignet, obwohl ab dem zweiten Turnierjahr ein großes Festzelt aufgestellt wurde. Vor allem die Versorgung mit Strom und Wasser bereitete unüberwindliche Schwierigkeiten. 1957 kündigte die Gemeinde den Pachtvertrag für den bisherigen Reitplatz und die Vereinsverwaltung musste auf die Suche nach neuem Gelände gehen. Durch ebenso geschickte wie zähe Verhanglungen mit den in Frage kommenden Grundstücksbesitzern, mitunter musste auch Ersatzgelände gestellt werden, gelang es in verhältnismäßig kurzer Zeit , im Gewann „Hösel“ eine Fläche von zunächst 61ar zu erwerben, die sich später auf 110ar vergrößern ließ. So konnte 1958 auf dem vereinseigenen Gelände bereits das 1. Turnier abgehalten werden. Natürlich war zuvor viel Arbeit erforderlich, um es in einen gebrauchfähigen Zustand zu versetzen. Die große Mühe hat sich gelohnt. Die alljährlich abgehaltenen Reiterfeste lockten viele Besucher, nicht nur aus dem eigenen Dorf, sondern auch aus den umliegenden Orten und der benachbarten Stadt an. Sie erlebten bei jeder Veranstaltung bei denen sich bis zu 200 Pferde und Reiter ein Stelldichein gaben, reichhaltige Programme. Ihre Sympathien galten nicht nur dem jungen Verein, sondern auch dem edlen Tier. Zu den Aufgaben des Reitvereins gehört es nicht nur das Erlernen der Reitkunst sondern auch die Liebe zum Pferd zu wecken und zu pflegen. ![]() Horst Hofsäß mit dem damaligen Vereinspferd. Im Lauf der Jahre galt es, das ideal gelegene Areal nach reitsportlichen und landschaftsbezogenen Gesichtspunkten auszustatten und auszugestalten. So wurde 1963 an der Westseite ein Richterturm erstellt. Er gewährt einen Überblick über das gesamte Turniergelände. 1968 baute man den Richterturm als Vereinskantine aus. Im selben Jahr wurde bereits über die Erstellung einer Reithalle, die schon lange auf dem Wunschzettel des Vereins stand, ernsthaft diskutiert. Nach zum Teil schwierigen Verhandlungen konnte Dank der Großzügigkeit der Brauerei Beckh und der Gemeindeverwaltung ein Finanzplan erstellt werden, an dem maßgeblich Siegfried Wenz beteiligt war. Am 26./27. Oktober 1970 konnte nach vielen freiwilligen Arbeitsstunden die Reithalle eingeweiht werden. Für die damalige Zeit ein großer Meilenstein in der Vereinsgeschichte. 1972 wurden in Eigenarbeit die Wasserleitung und gleichzeitig die Stromleitung in die Erde verlegt. Im selben Jahr wurde auch die Flutlichtanlage nach Bestimmungen der Landeskommission verbessert- mit einem Flutlichtmast in der Mitte des Turnierplatzes. Da die im Richterturm eingebaute Kantine keinen Einblick in die Reithalle gewährte, wurden 1974 in Anlehnung an die Reithalle eine Reiterstube nebst Küche, ein Abstellraum und sanitäre Anlagen angebaut. Der Rohbau des gesamten Anbaus konnte Dank der tätigen Mithilfe der Vereinsmitglieder und der Freiwilligen Feuerwehr in Eigenarbeit innerhalb 14 Tagen erstellt werden. Im Jahr 1977 wurden bereits neue Planungen eingeleitet. Die stetig wachsende Nachfrage auswärtiger Interessenten am Freizeit-Reitsport nährte den Gedanken, zwischen Richterturm und Reithalle ein Stallgebäude mit 20 Boxen zu erstellen.
Sieger im Mannschaftsspringen: die drei Göbricher Karlheins Marquardt mit Nicki, Gerhard Hofsäß mit Lord und Hans Hofsäß mit Orlando Dieser Stallbau wurde 1978 begonnen und bereits in der Bauphase war sich die Verwaltung des ländlichen Reit-, Zucht-, und Fahrvereins Göbrichen einig, die Gesamtanlage zu verpachten. Mit dem jungen Pferdewirtschaftsmeister Olaf Nowak fand sich der geeignete Pächter. Im Frühjahr 1979 konnten seine Pferde die Stallung auf dem Reitgelände beziehen. Olaf Nowak war viele Jahre Pächter der Reitanlage. Diese Zeit war auch die sportliche Hochkonjunktur des Göbricher Reitvereins. Es wurden Siege bis zu Klasse S errungen. Gleich nachdem der Stallbau beendet war, hatte man festgestellt, dass die Lage des Dressurplatzes neben den Springplatz nicht geeignet war. Daraufhin wurden drei Grundstücke dazugekauft, um ein großes Dressurviereck westlich der Reitanlage anzulegen und somit einen störungsfreien Dressurablauf bei den Reitturnieren zu gewährleisten. Nachdem die Baumaßnahmen beendet waren, hatte man eine harmonische Reitanlage geschaffen. Im Jahre 1994 übernahm der ländlichre Reit-, Zucht- und Fahrverein Göbrichen seine Anlage in Eigenregie. Der Reitstall wurde als Stallgemeinschaft geführt und ein Reitlehrer war stundenweise angestellt, um Reitunterricht zu geben. In dieser Zeit war der Verein besonders in der Jugendarbeit sehr engagiert. Es war immer möglich vier Schulpferde auszulasten. Auch der Voltigierunterricht wurde wieder forciert.
Karl Wüst und Rudolf Wentz fahren Brautpaar Kurz zur Kirche Durch die Flurbereinigung, die in Göbrichen durchgeführt wurde, war es dem Verein möglich sein Areal weiter zu vergrößern. Es wurden Grundstücke dazugekauft, um auch Weideflächen für die eingestellten Pferde bieten zu können. Kleinere Umbauten in der Halle wurden getätigt. So wurde die ehemalige Tribüne entfernt, um den Reitern, deren Pferde nicht in der Anlage stehen, Platz zu bieten ihre Pferde im trockenen zu satteln. Dann entschloss sich die Verwaltung die Reithalle um ca. 15 m zu verlängern und einer Generalsanierung zu unterziehen. Durch den Badischen Sportbund wurde dieses Vorhaben auch sofort unterstützt. Die Generalsanierung der Reithalle wurde im Jahr 2003 beendet. Die gesamte Reithalle sowie die Stallungen wurden neu eingedeckt, da der Sturm „Lothar“ große Verwüstungen angerichtet hatte. Seit dem 1. September 2001 ist die Anlage neu verpachtet an Herrn Johannes Patzelt, Pferdewirtschaftsmeister Reiten sowie Zucht und Haltung. Er kann auf dieser schön gestalteten Anlage Schulstunden in allen Sparten des Reitens auf eigenen Schulpferden bieten. Da sein Herz besonders für die Vielseitigkeit schlägt, hat er im Sommer 2002 eine Vielseitigkeitsstrecke rund um das Reitgelände aufgebaut. Dieser Plan wurde seitens der Gemeinde, mit zur Verfügung stellen der gemeindeeigenen Flächen, unterstützt. Am 28./29. September 2002 fand in Göbrichen das 1. Vielseitigkeitsturnier statt. Dies war ein voller Erfolg. Inzwischen konnte der Verein diese Flächen von der Gemeinde Neulingen pachten. Der ländliche Reit-, Zucht- und Fahrverein Göbrichen verfügt also zwischenzeitlich über eine schöne Anlage, welche sich baulich gestalterisch harmonisch in das reizvolle Landschaftsbild einfügt. Hiermit hat der Reitverein Göbrichen eine respektable Leistung vollbracht, die uneingeschränkte Anerkennung verdient. Die Voraussetzungen zur Pflege des Reitsports sind in jeder Hinsicht geschaffen. Der Reitverein Göbrichen darf stolz auf die von ihm geschaffene Anlage sein. Er und sein damalilger Vorsitzender Otto Gassenmeier sowie die gesamte Vorstandschaft haben zu seinem 50- jährigen Jubiläum keinen größeren Wunsch, als dass der Reitsport wie bisher bei der Einwohnerschaft der näheren und weiteren Umgebung verwurzelt bleibt und dass die Zahl der Reitsportinteressenten und Pferdeliebhaber wachsen möge. ![]() Siegerehrung auf dem alten Reitsportgelände Am Büchigeck. Die Möglichkeiten wären gegeben und sollten genutzt werden. Der Reitverein kann dankbar auf das Erreichte eines halben Jahrhunderts zurückblicken, welches für die nachfolgenden Generationen erhalten bleiben und fortgeführt werden soll. Wir bedanken uns bei allen, die den Reitverein auf verschiedene Art und Weise gefördert und unterstützt haben. Wir wollen voller Optimismus in die Zukunft blicken und uns dabei nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen, sondern immer mit der Zeit gehen und für alles Neue offen sein. |
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